Review: The Inhabited Island ("Obitaemyy ostrov")

"Massaraksh!"

Ich habe mir gerade mit einem Freund diesen Russischen Sci-Fi Schinken angetan, um gegen Ende zu merken, dass es wohl nur der erste Teil einer verfilmten Buchreihe ist. Zusätzlich war er im Original mit englischen Untertiteln, die jedoch mehr ein Mischmasch aus Russisch und Englisch waren, zumindest grammatikalisch, nicht dass ich ein Wort Russisch könnte. Immerhin kann so ein relativ anspruchsloser Film zu einer richtigen Herausforderung werden. Wirklich sicher waren wir uns der Fortsetzung erst als auf den abschließenden kyrillischen Text mit futuristischer Schriftart drei kleine Pünktchen folgten . . .

*lots&lots of SPOILERS*
kurzes Plot Wrap-Up (in eine echte Film-Review gehören allerlei Anglizismen): Utopisch bedingt naiver aber unzerstörbarer Matthew McConaughey-Verschnitt aus dem Moskau von 2157 bruchlandet auf der Innenseite des Planeten Saraksh. Wie gut, dass an dessen Innenseite bereits andere Menschen leben, die ihn freundlich aber bestimmt bei sich aufnehmen. Das mit der Innenseite ist gar nicht so einfach zu verstehen, wird es doch zu Anfang eigentlich ausschließlich durch Weitwinkellinsen versucht zu überliefern, die man als Stilmittel und nicht als Teil der Handlung wahrnimmt.

Die vorherrschende Gesellschaftsform ist alles was man sich von einem totaliären Science-Fiction Stereotyp wünschen kann. Degenerierte Herrschaftsfamilie (ist es eine Familie, oder nennen die sich nur so alle "Papa"?) kontrolliert das fanatisch militarisierte und brutalisierte Fußvolk mit Psycho-Fernsehen und Gehirnwellen und führt Krieg gegen Mutanten und andere "Degenerates". Es gibt sogar die obligatorischen Zeppeline die ununterbrochen mit Spotlights die Stadt absuchen.

Der einem Propaganda-Plakat entsprungene blond gelockt blauäugige Jüngling grinst und staunt sich so durch die große Stadt, den Wald und die Wüsten, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden, während er und der Plot waghalsige Wendungen vollziehen. Es scheint, zumindest hoffe ich das, eine ähnlich zerschnittene Fassung zu sein wie Mathieu Kassovitz' Babylon A.D., denn die kleine Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und der kleinen Kellnerin taucht so plötzlich wieder auf, dass man zu den sonnendurchflutenden Gartenspaziergangszenen ("Dieses Licht mag ich am liebsten" - irgendwie muss ein Sonnenuntergang im Innern eines Planeten ja erklärt werden, wird er aber nicht) noch ein Klingeln in den Ohren hat von den Maschinengewehren, Granaten und Panzern der letzten Szene.

Die Ballerszenen sind übrigens (halbwegs) wohltuend frei von pompösem CGI sondern haben etwas von "Death Race" oder eben "Mad Max" mit vor Waffen strotzenden und blechern wackelnden Geländewagen. So richtig computeranimiert wurden nur die Städtepanoramas, und das ist ja in Ordnung so, und gar nicht mal so schlecht. Die gesamte visual effects-Abteilung des Films hat mich an "Battlestar Galactica" (die neuere Serie, allerdings auch kürzlich abgedankt. R.I.P.!) erinnert, was mit gehobenem US-TV Niveau den Film ganz gut charakterisiert.

Das gesamte Look&Feel des Films, worauf ich ein wenig stärker angewiesen war als sonst, aufgrund der problematischen Untertitelung, stieß mir öfter unangenehm auf, da ich nicht wusste, wie ich den Pathos zu interpretieren hatte. Bei Hollywood-Produktionen weiß man ja woran man ist, selbst bei Michael Bay. Natürlich haben wir es aber hier mit einer Dystopie zu tun, und nicht mit einer Hasbro-Spielzeugverfilmung. Es sind viele Stilanleihen beim europäisch (genaugenommen französisch) angehauchten Hollywood-Sci-Fi wie "The Fifth Element" oder "Alien: Resurrection" zu erkennen, aber auch "Judge Dredd", "Equilibrium" (die beiden letzteren vor allem auch wegen ihres trashigen Pro7-22 Uhr-Potenzials) und ja, natürlich auch "Blade Runner" sind ein bischen drin. Die Mythologie des Films habe ich bisher aber nur in "Wächter der Nacht" so wirr gesehen, vielleicht gab es aber auch nur keine.

Der Film hat gute Ideen, die stammen vom Buch, ist visuell erfrischend aufwändig und dennoch weit weg vom Einheitsbrei fabriziert, kann aber keine wirkliche Bindung des Zuschauers zu den Charakteren aufbauen. Für eine weibliche Zuschauerschaft ist der Protagonist entschieden zu oft angezogen, das Genre hilft da auch nicht. Ich als Mann fand ihn fürchterlich nervig, aber gut Krach gemacht hat es dann schon.

Kein Film für die Freundin.

Habe ich den Film jetzt positiv oder negativ besprochen? Helft mir!

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